BMCL: P-Zak vs. Dekzter Fro

So, nach dem üblichen Rap am Mittwoch-Heckmeck zwischen Cypher und Finale kommen wir jetzt zum aktuellen BMCL-Match. Ausgetragen wurde es zwischen P-Zak und Dekzter Fro. P-Zak war in seinen ersten beiden BMCL-Matches gegen Battleboi Basti und Iron Basic überraschend unerfolgreich. Gegen Basti hat er gar keine Sonne gesehen, gegen Basic zumindest nicht klar gewonnen. Gegen Dekzter Fro, der durch Olli Banjos Rapsparring Aufmerksamkeit erlangen konnte, hat er jetzt eine neue Chance.

Dekzter Fro legte los. Erster Gedanke: Was für eine krasse Stimme! Rakos Anmerkung nach dem Match, dass er eine gewisse Ähnlichkeit zu Fatcap hat, kann ich unterschreiben. Obwohl Dekzter nicht extrem aggressiv daher kommt, punktet er doch mit ein paar kreativen Lines, die ich so noch nicht gehört habe. Zeilen à la „Fahrkarte in die Analen des Rap“ oder auch „über’s Ziel hinaus schießen wie Rainer Callmund beim Seifenkistenrennen“. Sehr ansprechend. P-Zak spittet wie gewohnt. Krasse Patterns, ausgefeilte Technik, immer mal wieder auch kleinere Versprecher, die ihn aber nie (nicht mal ansatzweise) zum choken bringen. Obwohl ich nicht wirklich ein Fan von seinem Battlestil bin, gefällt mir seine erste Runde gut. Er bringt einige gut durchdachte Lines („Du hast nix drauf wie New Yorker Basketballtrikots“). Die Seitenhiebe gegen MoTrip, Liquit Walker und vor allem die ganze DLTLLY-Riege verstehe ich allerdings nicht. Ist da irgendwas vorgefallen, was mir entgangen ist? Hoffentlich wird das als Anlass genommen, ihn zu einem DLTLLY-Battle einzuladen. Soll er sich da doch mal beweisen. Davon abgesehen ist der einzige Kritikpunkt, den ich ihm ankreiden würde, die merkwürdige Pausensetzung in manchen Zeilen. Normalerweise wird die Pause gesetzt, um auf die Pointe vorzubereiten [wie z.B. in der dritten Runde: Bitch, die keine Lines verträgt (Pause) Whitney Houston]. Teilweise setzt er die Pausen aber auch nach oder in der Pointe. In der ersten Runde geschieht das beispielsweise bei der Afrob/Megaloh-Line, wo er hinter „Afrob“ eine Pause setzt. Megalohs Namen in dem Kontext zu droppen steigert die Pointe nicht, rhetorisch gesehen gehören die Namen „Afrob“ und „Megaloh“ hier zusammen. Vielleicht bin ich hier zu kleinkariert, aber mich irritiert das, weil ich auf eine Pointe warte – bis mir dann klar wird, dass die schon gesetzt und gar nicht mehr getoppt wurde. Nichtsdestotrotz holt sich P-Zak in meinen Augen die erste Runde, wenn auch knapp.

Zu Beginn der zweiten Runde  rebuttalt Dekzter eine (nur medium-gute) Hoeneß-Line von P-Zak und führt dann schnurstracks durch sein Programm. „Frischfleisch aus der Babyklappe“, „Edding 5000 in der Harnröhre“, sexuelles Desinteresse von Bergziegen, dafür aber Sex mit einem „halbtoten Rinderkalb“. Das ist die absolute Punchline-Freakshow. Und das gefällt mir (wenn man das Niveau von Vergewaltigungsphantasien, Sodomie etc. als gegeben ansieht). Dekzter unterhält mich hier fantastisch, driftet dabei aber nicht ins Komische ab. Stand-Up-Comedian ist er jedenfalls nicht, höchstens unfreiwillig lustig durch die permanente Aufstoßerei. Eigentlich war ich mir ziemlich sicher, dass ich diese Runde an Dekzter geben würde. P-Zak kommt in der Mitte des Battles allerdings mit einer Real Talk-Runde um die Ecke, die es in sich hat. Über die volle Länge der Runde schlüsselt er auf, wieso Dekzter eigentlich ein rechter Unsympath ist. Sparring-Runden, Tracks und ostdeutscher Hintergrund werden analysiert. Das Beängstigende: P-Zak dekliniert das ungewohnt rational durch. Er steigert die Härte der Punches über die Zeit immer mehr, sodass das Publikum immer ruhiger wird. Zurück bleibt ein flaues Gefühl im Magen. Ich habe keine Ahnung, ob die zitierten Textstellen korrekt sind. Falls ja: Geschickt eingebunden von P-Zak. Falls nein: Geschickt eingebunden von P-Zak. Die zweite Runde geht für mich damit auch an ihn.

In der letzten Runde bringt Dekzter eine Mischung aus Text und Freestyle. Ohnehin scheint er irgendwie total dicht zu sein, hält sein Niveau aber meilenweit über den bisherigen Totalausfällen der BMCL (ich will keine Namen nennen..ihr wisst vermutlich selbst, an wen man da denken könnte). Die Nazi-Chose rebuttalt er über die gesamte Runde immer mal wieder. Ein Hammerkonter ist nicht dabei, aber er bringt es immerhin auf fünf, sechs Rebuttals, die technisch nicht einfach Hausmausklaus-Reime sind, sondern verhältnismäßig ausgetüftelt wirken. Außerdem erzählt er einfach wieder so merkwürdige Dinge, dass ich ihn sympathisch finden muss (und tief in mir drin, hoffe ich, dass P-Zak in der zweiten Runde nur blablat hat). Bierschiss als Nutella-Ersatz, Neurodermitis an unangenehmen Stellen und eine ominöse Oma Erika kommen vor. P-Zak lässt es in der dritten Runde twas ruhiger angehen, rebuttalt noch die Neurodermitis- und Laserschwert-Line, verteilt weiterhin Seitenhiebe („Choke Dynamic“) und bindet das Publikum in eine ganz nette Ossi-Ruferei rein. Im direkten Vergleich würde ich hier Dekzter den Punkt geben. Das Konzept der dritten Runde war – mal abgesehen von Dekzters Freestyles – bei beiden ähnlich. Eine Mischung aus Rebuttals, Nonsens und Punches, wobei P-Zak natürlich den Fokus stärker auf den Punches hat. Trotzdem entertaint mich Dekzter Fro hier besser.

Schlussendlich käme es bei mir also zu einem 2:1. Jetzt bin ich gespannt, ob P-Zak bei DLTLLY zu sehen sein wird und ob er seinen dortigen Gegner tatsächlich zerfetzen wird. Obwohl er gegen Dekzter eine ansprechende Leistung geboten hat, würde ich schon bezweifeln, dass er gegen DLTLLY-MCs vom Kaliber à la Merlin, Brian Damage oder Doktor Dave momentan gewinnen würde.

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