Kobito – Blaupausen

KOBITOErstveröffentlichung: 06.Juni 2014

Label: Audiolith

Format: CD/LP/Download

Kobito macht Musik, die irgendwie besonders ist. Er rappt – das ist ja noch nicht ungewöhnlich. Normalerweise eine Musikrichtung, die eher durch Härte geprägt ist. Bei ihm wirkt sie aber ganz zart. So weit, so hippiesk. Tatsächlich verbindet Kobito darüber hinaus sein gutes Gespür für musikalische Stimmungen mit intelligenten Texten. Kein Wunder, dass er bei Audiolith gesignt wurde.

Auf „Blaupausen“ präsentiert er, wie groß sein Repertoire ist: schnellere Nummern mit Vorglüh-Faktor („Niemals arm“) wechseln sich mit ruhigeren Songs ab, bei denen man mal kurz durchschnaufen kann („Sonnenlicht“). Außerdem hat Kobito noch das beste Liebeslied seit Langem im Gepäck: Hach, ist „Polly Diamanti“ schön. Falls ihr mal irgendwem einen Heiratsantrag machen wollt, aber völlig unkreativ seid: Keine Panik, einfach diesen Text kopieren und hoffen, dass der oder die Auserwählte das Lied nicht kennt (und Kobi ein paar Euro Entschädigung zustecken).

Zusammen mit Sookee hat Kobito anno 2011 als Deine Elstern mit „Augen zu“ einen amtlichen Hit gelandet. Immerhin 700.000 Klicks auf Youtube. In „Blaupausen“ steckt jedoch (noch) viel mehr als im damaligen Post-Party-Track. Keine Traurigkeit, sondern Melancholie mit Sinn für die Ästhetik des Betrübtseins. Und gleichzeitig eben von Herzen kommende Fröhlichkeit.

Mehr als nur Zeckenrap ist das. In diese Schublade lässt sich Kobito zumindest teilweise stecken. Da ist schließlich die (nachvollziehbare) Abneigung gegenüber der machistischen Rap-Szene in Deutschland, in der sich nur wenige Oasen der wirklichen Gleichberechtigung (sei es im Hinblick auf Gender, Herkunft, Schicht, was auch immer) finden lassen. Auch gegen Großeltern mit nazistischer Vergangenheit wird gewettert.

Doch Kobito geht darüber hinaus: Hier wird das Stilmittel Rap nicht benutzt, weil sich ein Wortschwall zur Verbreitung der eigenen politischen Meinung anbietet, sondern auch um des Raps selbst Willen. Technik, Reimschemata, Flowvariationen – das alles bringt Kobito mit, wenn auch mal eine Zeile eine Silbe zu viel verpasst bekommen hat. Überdies nicht ganz unwichtig: Von vorne bis hinten ist „Blaupausen“ vollgepackt mit den großartigsten Beats. Kein einziger Ausfall dabei! Wie oft gibt es das dieser Tage?

Klar, bei den Rap-Rückblicken am Ende des Jahres wird „Blaupausen“ wahrscheinlich wenig Sonne sehen, da das Album dafür viel zu viel Nische ist. Für mich persönlich ist es dennoch eines der Releases des Jahres – eben aufgrund der angesprochenen Vielfalt. Wenn ihr nicht mehr weiter wisst mit diesem Stück Musik, müsst ihr weder euren Arzt, noch euren Apotheker fragen – sondern mich. Hier kommt der Tipp: Im Herbst an die Nordsee fahren, in die Dünen setzen (ja, verboten..) und spätestens dann „Blaupausen“ eine Chance geben, selbst wenn ihr bis dato nicht mit Zeckenrap in Berührung kamt. Und dann fühlt den Scheiß!

5/5

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