Neonschwarz – Fliegende Fische

Neonschwarz - Fliegende Fische

Erstveröffentlichung: 19. September 2014

Label: Audiolith

Format: CD/LP/Download

Da schau her, Audiolith hauen schon wieder was mit Rap raus. Dieses Mal handelt es sich um die HipHop-hörende Schwester von Trouble Orchestra: Neonschwarz. Mit an Bord: Johnny Mauser, Marie Curry, Captain Gips und Spion Y. Ihr Album „Fliegende Fische“ stampft gewissermaßen ein ganz neues Subgenre aus dem Boden. Ich nenne es Piraten-Zeckenrap. Siehe Cover. Siehe Songs.

Neonschwarz entern den großen Dampfer Deutschland. Der kentert allerdings nicht, hat jedoch stellenweise mit Turbulenzen zu kämpfen. Das ist eigentlich immer der Fall, wenn Neonschwarz unbeschwert spitten. Die ersten beiden Tracks des Albums „Legen ab“ und „Unser Haus“ sollten da zuallervorderst genannt werden. Richtig schön laid back und trotzdem mit Message. Genau so muss das sein. Natürlich stechen Maries Vocals dabei immer ein bisschen heraus – nicht nur, weil Female MCs leider selten sind, sondern auch weil sie eine ganz besondere Stimmfarbe hat, die jeder Hook eine schöne Portion Besonderheit beschert.

Politisch ist es auf „Fliegende Fische“ immer. Leider wird es ab und an deswegen ein bisschen anstrengend, etwa in „2014“, einem Abriss über Rassismus in Deutschland. Das Thema ist wichtig, genau so wie der Verweis auf Hoyerswerda. Dass die Ausschreitungen schon über 20 Jahre her sind und trotzdem auch heute noch gegen Fremdenhass gekämpft werden muss, ist sowohl erschreckend als auch traurig. Insofern ist es gut, dass die Thematik musikalisch aufgegriffen wird, doch fällt mir das alles zu verkrampft aus. Genauer benennen kann ich dieses Moment nicht mal. Es fühlt sich ein bisschen nach Wikipedia-Eintrag, der kritisch kommentiert wird, an – auch wenn ich natürlich weiß, dass Neonschwarz da wesentlich mehr politischen Background mitbringen. Vielleicht tue ich mich mit diesem Song auch nur besonders schwer, weil ich den Beat nicht besonders angenehm finde und auch die Rap-Skills angesichts des riesigen Themas ein bisschen auf der Strecke bleiben.

A propos Rapskills: Die Szene bekommt natürlich auch noch ihr Fett weg (und zwar in „Verwandelt“). Völlig zurecht versteht sich. Und hier geht mir das Herz dann doch wieder auf. Wobei der größte Funken aller Zeiten bei „Ypsilon“ überspringt, weil voll HipHop und das ist ja mein Ding.

Insgesamt also: „Fliegende Fische“ ist ein richtiges HipHop-Album, hier werden keine Kompromisse gemacht. Das ist gut so, denn das steht den Jungs und Mädels besonders gut. Dass der Inhalt an manchen Stellen etwas zu groß für einen 4 Minuten-Track ausfällt, ist ein kleiner Wermutstropfen, aber immer noch besser als solche Problematiken gar nicht anzusprechen. Abwechslung zur eingesessenen HipHop-Szene bieten Neonschwarz definitiv. Und auf dem nächsten Album sinkt das schwarz-rot-goldene Schiff dann hoffentlich.

3/5

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