Q-Cut – Keats Vol. 2 – Kaiju Dugu

Q-Cut - Keats Vol. 2 - Kaiju Dugu

Erstveröffentlichung: 13. November 2014

Label: Keats/hhv.de

Format: LP/Download

2014 war ein großes Hip Hop-Jahr. Einige Nummer 1-Alben, die Anerkennung im Feuilleton und junge MCs und Produzent*innen, die an jeder Straßenecke hervor sprießen. Ganz hoch im Kurs: „Raop“ à la Cro (Friedefreudeeierkuchen) oder Gangsta-Rap à la Haftbefehl (Krieghasskartoffelpuffer). Die beherrschenden Themen waren somit Lebensfreude und Spaß auf der einen, Straße und Hustlen auf der anderen Seite. Doch unter dem grobmaschigen Radar fliegen auch ganz andere Alben hindurch. Alben, in denen es um Monster geht, die in deine Hood kommen um eine Riesensause zu feiern. So gestaltet es sich jedenfalls auf „Keats Vol. 2 – Kaiju Dugu“ von Q-Cut aus Berlin. „Kaiju“ ist japanisch für Monster, „dugu“ ein Begriff für ein mittelamerikanisches Fest – fertig ist dein ganz persönlicher Schrecken.

Die Keats-Reihe wurde ja vor einiger Zeit von Figub Brazlevics Vol. 1 eingeläutet. Damals ging es um Moabit, in dem zu Boombap gechillt wurde. In Q-Cuts Gegend geht es jedoch abenteurlustiger zu. Da ranken sich verwunschene Melodien um bedrohlich-wabernde Drums. Irgendwie wird man das Gefühl nicht los, dass diese Party in einem schlechten Trip enden könnte.

„Prelude“ läutet die Scheibe ein. Hier knattert, da surrt, hinten tropft es. Man weiß gar nicht, wo man zu erst hinhören soll. Die Musik umschlingt dich mit allem, was sie hat und lässt nicht mehr los. Und ob man will oder nicht, wird man die 14 Instrumentals ohne zu skippen durchhören. Glück im Unglück: Sie sind so gut, dass man zu keiner Zeit das Bedürfnis bekommt, auf Pause oder gar Stopp zu drücken.

Ab und an bekommt man Besuch. In „Mingus“ beispielsweise schauen ein paar Bläser vorbei. Ein einsames Jazz-Monster scheint in der Ecke der Bar zu stehen und uns seine traurige Melodie entgegen zu atmen. Es ist schließlich kein Geheimnis, dass ausufernde Fröhlichkeit auf Feiern auch schnell in Melancholie ausufern kann.

Ab und an menschelt es sogar, etwa wenn in „Scoop“ Stöhngeräusche in den Klangteppich eingearbeitet sind. An anderer Stelle schmiegen sich die Drums etwas an den Afro-Beat an und wirken dadurch wärmer. Die unheimliche Grundstimmung verfliegt jedoch nie. Sie verändert höchstens ihren Charakter  – in „Knitzer“ stolpern die Drums beispielsweise in den D‘n‘B.

„Raid“ bildet in feinster Horrorfilm-Score-Manier den stimmigen Abschluss eines großartigen Konzept-Albums, dessen nächste Verwandte Madlib, Flying Lotus, aber auch Amon Tobin seien dürften.

Bei HHV ist das auf 300 Stück limitierte Album von Q-Cut noch zu erstehen. Außerdem steht es auf Bandcamp zum Reinhören und Runterladen bereit.

5/5

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s