BMCL: Doktor Dave vs. Drob Dynamic (01.04.15)

Das dürfte vermutlich der schnellste BMCL-Kommentar in der Geschichte dieses Blogs seien, aber das Battle zwischen Doktor Dave und Drob Dynamic bot auch einigen Gesprächsstoff. Auf der einen Seite steppte mit Doktor Dave einer der erfahrensten DLTLLY-MCs auf die Bühne. Drob Dynamic hingegen feierte eine Art Mini-Comeback, nachdem er nach seinen zwei verpatzten BMCL-Matches gegen Laas Unltd. und Brian Damage erstmal weg vom Fenster war.

Doktor Dave begann und legte ganz sympathisch mit einer kleinen Anspielung auf DLTLLY los. Es folgten ein paar Dickenwitze. Davon war ich überrascht, denn ich hatte erwartet, dass das nach Laas‘ und Brians Runden nicht mehr gegen Drob gebracht werden würde. Leider fand ich diese Zeilen auch etwas uninspiriert – nur die Fleischsaft-Line blieb mir im Gedächtnis. Obwohl richtige Hammer-Punchlines fehlten, war das Publikum – mal wieder – viel zu zurückhaltend. Fand im Binuu zeitgleich eine Beerdigung statt oder was war da los? Ich hatte zumindest bei der Vorstellung, dass man sich ekelt andern Rappern in der Battlemania die Hand zu geben, meinen Spaß. Die (falsche) Vorhersage von Drobs Runden war allerdings ein Eigentor. Zunächst dachte ich, dass Dave von irgendjemandem gesteckt bekommen haben muss, was Drob bringt. Dem scheint nicht so zu sein, wie der Rest des Matches zeigte. So war die Punchline zu spekulativ und bekräftigte eher, dass Drob gerade nicht einfallslos ist.

Habe ich eben geschrieben, dass Dickenwitze gegen Drob uninspiriert sind? Genau so unkreativ ist in meinen Augen die Selbst-Verarschung von Drob. Nachdem Laas genau das detailliert auseinander genommen hat, ist es mir unbegreiflich, wie Drob das immer noch bringen kann. Technisch legt er in den ersten Runde dennoch einiges vor. Im Gegensatz zu Dave spittet er eben richtig. Die Crowdreactions sind dementsprechend. Gut gefallen hat mir die Passage, in der er Laas‘ Battles gegen ihn und Dave vergleicht, denn er hat definitiv Recht damit, dass an dem Tag vermutlich niemand gegen Laas gewonnen hätte. Warum bleibt er nicht auf dieser Schiene? Stattdessen kippt er relativ schnell in die Comedy. Die 1. April-Choke-Line hat mich überhaupt nicht amüsiert. Ich weiß nicht, wieso dabei alle so abgegangen sind. Vielleicht fehlt meinem Humorzentrum da ein Sensor. Und nun zum ersten Aufreger des Battles: das Beatboxing. Geht in meinen Augen gar nicht. GAR NICHT. Nicht, dass wir uns falsch verstehen: Das war genial gemacht und gerade die Lines über Bong Teggy, Ssynic und Fresh Polakke fand ich total gelungen. Aber in einem A Cappella-Battle ist das in meinen Augen ein Regelbruch. Natürlich kann man argumentieren, dass Beatboxing a cappella ist. Das stimmt, wäre aber eine sehr definitorische Perspektive. Eigentlich geht es vielmehr um die Abstinenz des Beats. Genau diesen Aspekt betonen Jonni & Co immer, wenn sie die Vor- und Nachteile des A Cappellas beleuchten. Insofern hat sich Drob Dynamic hier einen eindeutigen Vorteil gegenüber seinem Gegner geschaffen. Erschwerend hinzu kommt, dass das Beatboxing nicht von Drob performet wurde, sondern von einem Anderen. Das wäre dann die zweite Ungehörigkeit. Back Up-Zwischenrufe gehen für mich völlig in Ordnung, aber eine minutenlange Partizipation am Part ist ein Tag Team-Battle – nur, dass dem gegenüber nur ein MC stand. Da diese Situation vorher noch nie so vorgekommen ist, ist es nachvollziehbar, dass Drob für diese Einlage nicht abgestraft wurde. Trotzdem sollte man jetzt überlegen, ob man die Regeln hier ausbauen müsste. Immerhin hat Drob Dynamic das wohl fulminanteste Time der RAM-Geschichte fabriziert.

In der zweiten Runde gefielen mir Daves Punchlines dann wesentlich besser. Ein Rechtschreibfehler bei dem Wort „Release“ ist zwar kein Weltuntergang, aber er verknüpft das trotzdem nett mit dem Ablauf der Party und Drobs Studium. Auch der Verweis auf Drobs alten Viva-Auftritt ist nett, hätte aber viel mehr ausgebreitet werden können. So alte Fernseh-Fundstücke sind nämlich eigentlich immer peinlich. Da blieb leider viel Punchline-Potenzial ungenutzt. Drob Dynamic kann einige Punches zu Beginn seines Parts gut parieren. Es folgt viel Sing-Sang, viel Bekanntes, wenige Highlights. Die Gesichtschirurg-Line bleibt hängen. Die „hundert Reime auf Haarverlust“ gehen auch in Ordnung. Ansonsten kann Drob vor allem im Hinblick auf die Delivery punkten. Im Vergleich zu den vorigen Battles wirkt er selbstbewusster und obwohl (auf beiden Seiten) richtig miese Zeilen fehlen, würde ich an dieser Stelle Drob einen Hauch vorne sehen.

So, und jetzt zum wichtigsten Teil des Abends. Daves dritte Runde hat zu 90% die Veranstaltung gedisst. Mave hat in einem King-Finale gegen Karate Andi schon mal das Gleiche gemacht. Damals fand ich es deplatziert, weil es stumpfe Lines waren, bei denen ich mich arg fremdgeschämt habe. Bei Dave finde ich es legitim. Warum? Dass er 100€, Drob Dynamic hingegen 200€ Gage bekommt, ist reichlich bedenklich. Um das zu thematisieren bietet sich die BMCL-Bühne an. Nirgendwo sonst hätte er so viele Leute erreicht. Nach der Veröffentlichung des Battles brach auf Facebook bereits eine riesige Diskussion über diese Regelung aus. Standpunkt A: RAM hat nun mal eine Debütantenregelung, sodass Dave nicht als Einziger weniger Gage bekommt. Standpunkt B: Ungleiche Bezahlung bei gleicher Leistung (was die Vorbereitung angeht) ist scheiße. Ich halte es mit der zweiten Meinung. Dass Rap am Mittwoch MCs, die bisher noch nicht in der BMCL angetreten sind, weniger zahlt, erweckt den Anschein, als wäre die BMCL das Paradies des Battleraps, dessen Mitgliedschaft man sich erst erarbeiten muss. Aber dem ist nicht so. Das Konkurrenzformat DLTLLY ist sowohl beliebter als auch qualitativ konstanter. Ein MC, der sechs Battles bei DLTLLY bestritten und von diesen drei gewonnen hat, muss sich nicht mehr bewähren. Er ist kein Newcomer mehr. Richtig merkwürdig wird es, wenn man bedenkt, dass Drob Dynamic bislang zwei Written Battles bestritten hat und beide sang- und klanglos verlor. Immer wird vom Zusammenhalt der Szene geredet, von Respekt – doch dann baut eine Veranstaltung derart hohe Mauern um sich rum, dass sie Leistungen außerhalb ihrer Events nicht einbezieht? Natürlich ist es legitim, dass Rap am Mittwoch das so handelt. Sie dürfen ihre Kohle schließlich so verteilen, wie sie das möchten. Doch dass die ungleiche Bezahlung bisher nicht an die Öffentlichkeit (sprich: an die Crowd) gelangt ist, spricht für sich. Long story short: In meinen Augen verdienen zwei Teilnehmer eines Battles exakt das Gleiche. Darüber hinaus sitzt eine Erkenntnis doch tief: „Ich bekomm heut nur die halbe Gage, aber ihr zahlt vollen Eintritt.“ Und relativ hohe Livestream-Kosten. Da kann man schon mal drüber nachdenken.

Zur letzten Runde von Drob bleibt eigentlich nicht viel zu sagen. Er bringt wieder solide Rebuttals, hampelt ein bisschen rum und bitet dann noch Charron. Oder sagen wir: er lässt sich von ihm sehr stark inspirieren. Wenn man ganz stur die gegnerbezogenen Lines aufrechnet, gewinnt Drob Dynamic an diesem Abend zurecht. Aufgrund mehrerer Umstände hinterlässt dieses Match jedoch ein Geschmäckle, wie der von Berlinern gehasste Schwabe am Prenzlauer Berg sagen würde.

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