Platten des Jahres: 2002

Für mich persönlich bot das Jahr 2002 drei Meilensteine, denen ich ohne Zögern die Höchstwertung geben mag.

Tocotronic veröffentlichten ihr selbstbetiteltes weißes Album. Nach „K.O.O.K.“ war dies der unbeirrte Schritt in verschwurbelte Sprache mit geradlinigeren Melodien als auf ihren 90er-Alben. Unzählige Referenzen aus Philosophie, Pop-Kultur, Musik etc. Machen die Scheibe zu einem Sammelsurium an Gedanken, das ich auch nach 1.000 Hördurchgängen nicht vollends zu durchdringen vermag. Allgemein gilt „K.O.O.K.“ als der Wegbereiter für die späten Tocotronic. Für mich ist das weiße Album hingegen die eigentliche Schnittstelle, der stilistische Bruch mit dem DIY-Sound der frühen Jahre.

Als nächstes sei „Turn On The Bright Lights“ von Interpol genannt, das ich erst viele Jahre später entdeckte. Meine erste Interpol-Scheibe wurde „Our Love To Admire“. Das Cover zog mich in seinen Bann und für gerade mal 3€ ergatterte ich die CD im Plattenladen meines Vertrauens. Vor allem „Pioneer To The Falls“ hatte es mir angetan – und ist bis heute einer meiner absoluten Lieblingssongs der Band. Angefixt wie ich war wühlte ich mich durch den Back Katalog der New Yorker Truppe und stieß alsbald auf das noch viel grandiosere „Turn On The Bright Lights“. Ich habe keine Worte für „Obstacle 1“. Ohne zu übertreiben ist das für mich einer der schönsten, besten, anrührendesten Songs der Rock-Geschichte. Vor zwei Jahren wurde ich davon auch live überzeugt. Interpol hatten sich für ein Open Air-Konzert in der Arena in Wien angekündigt. Ein angenehm warmer Sommertag, über dem das Damokles-Schwert eines vorhergesagten Gewitters für den Abend schwebte. Zu Beginn hatten wir noch Glück und es blieb trocken. Irgendwann begann es aber doch zu tröpfeln. Es war schon dunkel, der Regen wurde immer stärker und die Band spielte „Obstacle 1“. Einer der schönsten Konzert-Momente meines Lebens. Kurz darauf setzte ein richtiges Gewitter ein und der Gig musste nach ca. einer Stunde abgebrochen werden. Wir haben den Ticket-Preis erstattet bekommen. Für mich völlig unverständlich – ich habe alles geboten bekommen, was ich wollte.

Last but not least bezüglich der angesprochenen großen drei Releases des Jahres: „By The Way“ von den Red Hot Chili Peppers. Das beste Album der RHCP. Das Video zur Lead Single hat mir damals mächtig Angst gemacht. Immerhin war ich erst elf Jahre alt (also leicht zu beeindrucken) und der Taxi-Fahrer , der Anthony Kiedis durch L.A. kutschiert, war schon mächtig durchgedreht. „Can’t Stop“ holte mich dann endültig ab und ich war Fan. Nicht alle Songs auf dem Album haben dieses Hit-Potenzial, aber sie alle tragen zum homogenen, leicht melancholischen, kalifornischen Rock-Sound der Platte bei, der an keiner einzigen Stelle enttäuscht. Vor allem auf „Throw Away Your Television“ und das wunderschöne „Don’t Forget Me“ sei hier noch verwiesen.

Mit „Up The Bracket“ erschienen auch erstmals die Libertines auf der Indie-Bühne. Ein starkes Debüt, das allerdings vom Nachfolger zwei Jahre später noch übertroffen wurde. Roh lärmten sich die Jungs um Carl Bârat und Pete Doherty durch Punk-, Garagen Rock- und Indie-Gefilde und kreierten dadurch ihren ganzen eigenen Sound.

Eine kleinere Enttäuschung war hingegen „Lifelines“ von a-ha. Es mag unfair sein, eine Band immer an ihren großen Releases von anno dazumal zu messen, aber es fällt mir schwer, ein a-ha-Album zu hören und es NICHT unterbewusst mit „Hunting High And Low“ zu vergleichen. „Lifelines“ bietet leider mediokren Radio-Pop mit einigen hellen Momenten („Forever Not Yours“), aber eben auch viel Leerlauf.

    1. Tocotronic – Tocotronic | 5.0
    2. Interpol – Turn On The Bright Lights | 5.0
    3. Red Hot Chili Peppers – By The Way | 5.0
    4. The Libertines – Up The Bracket | 4.5
    5. Songs: Ohia – Didn’t It Rain? | 4.5
    6. Queens Of The Stone Age – Songs For The Deaf | 3.5
    7. The Distillers – Sing Sing Death House | 3.5
    8. Madrugada – Grit | 3.5
    9. Killswitch Engage – Alive Or Just Breathing | 3.5
    10. Sum 41 – Does This Look Infected? | 3.5
    11. Murphy’s Law – The Party’s Over | 3.5
    12. Sigur Rós – () | 3.0
    13. Wilco – Yankee Hotel Foxtrot | 3.0
    14. Biffy Clyro – Blackened Sky | 3.0
    15. Porcupine Tree – In Absentia | 3.0
    16. Bad Religion – The Process Of Belief | 3.0
    17. Bad Brains – I & I Survived – Dub | 3.0
    18. a-ha – Lifelines | 3.0
    19. Wisdom In Chains – Wisdom In Chains | 2.5
    20. The Chemical Brothers – Come With Us | 2.5

Dishonorable Mentions

  • Korn – Untouchables: Keine Glanzstunde der Nu Metal-Pioniere aus Kalifornien. Alles auf „Untouchables“ hat man schon gehört (auch von Korn selbst!) – und zwar besser. Übrig bleibt eine Ansammlung von Songs, die niemand so wirklich braucht. | 2.0

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